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ᐅ Lausfliegen: Wenn Zecken Flügel wachsen [2023]

Autor: Karl-Tim Ibald

Lausfliegen sind fiese Parasiten. Besonders Pferde leiden. Ist der Wirt erreicht, brechen die Flügel ab. Erfahren Sie mehr über diese skurrilen Insekten.

 

Lausfliegen erheben sich nur scheinbar in die Lüfte. Haben Sie ihren Wirt erreicht, streifen sie ihre Flügel ab und ähneln dann eher Zecken, die ihren Wirt nicht freiwillig verlassen. Die ersten warmen Tage bringen die Fliegen zurück. Dann fallen sie zu Dutzenden über Tiere und Menschen her. Lesen Sie hier, woran Sie die mysteriösen Parasiten erkennen und wie gefährlich  die Zecke mit Flügeln wirklich ist.

 

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Lausfliegen erscheinen mit den ersten warmen Temperaturen und sind zwischen April und Oktober aktiv. Ihre maximale Aktivität erreichen die Parasiten im Sommer.
  • Optisch ähnelt die Lausfliege eher Zecken als Fliegen. Die meisten Arten werfen ihre Flügel nach Erreichen des Wirtes ab.
  • Die Lausfliege kann besonders Pferden schaden. Sie lässt sich dort nieder, wo sie das Pferd nicht verjagen kann.

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Was sind Lausfliegen?

Die Lausfliege trägt die wissenschaftliche Bezeichnung Hippoboscidae und gehört der Familie der Fliegen an. Weltweit existiert der Parasit in etwa 200 Arten. Allein in Mitteleuropa kann man auf etwa 25 verschiedene Arten treffen. Es handelt sich um fünf, maximal zehn Millimeter große Insekten. Der bräunliche Körper wirkt gedrungen und ist von einer lederartigen Schutzhülle umgeben.

 

Erscheinungsbild und Körperbau weichen deutlich vom Bild der allgemein bekannten Stubenfliege ab. Die Fliegen können sich allesamt sehr schnell auf dem Körper des Wirts fortbewegen. Unterschiede werden bei den Flügeln deutlich. Einige Arten besitzen Flügel und verzichten nicht darauf, andere Arten werfen die Flügel beim Erreichen des Wirts an einer Sollbruchstelle ab. Die Schaflausfliege ist ein Beispiel dafür, dass diese Insektenart auch komplett ohne Flügel auskommen kann.

Die Lausfliege ist auf ihren Wirt spezifiziert

Viele Pferdebesitzer stehen der Ansiedlung von Schwalben skeptisch gegenüber. Schwalbennester an Ställen und Gebäuden werden als Ursachen gesehen, dass Pferde mit diesen Fliegen befallen sind.

 

Fakt ist: Schwalben verursachen keinen Lausfliegenbefall beim Pferd. Optisch sind zwischen den einzelnen Arten der Fliegen zwar kaum Unterschiede zu erkennen, die Parasiten bleiben jedoch auf einen spezifischen Wirt beschränkt.

 

Wendige Krabbler mit spezifischen Eigenschaften

In den Monaten Juni bis September lassen sich die meisten Lausfliegen nachweisen. Abhängig von der Witterung können die Insekten bis Ende Oktober aktiv sein. Da die Fliegen meist in Dutzenden auftreten, können sie ihren Wirt sehr schwächen. Der Mensch wird von den Parasiten nicht direkt angegriffen.

 

Oftmals scheint es so, als starten die Fliegen einen direkten Anflug auf den Menschen, doch eigentlich handelt es sich um lichtscheue Tiere, die sich bevorzugt unter der Kleidung oder in den Haaren der Menschen aufhalten.

 

Mit einer Fliegenklatsche werden Sie gegenüber diesem Parasiten nur wenig ausrichten, denn die Tiere lassen sich nur schwer töten. Haben Sie einen fiesen Krabbler entdeckt, können Sie diesen gut greifen und mit den Fingern absammeln. Sie können nicht gestochen werden. 

 

Fortpflanzung im Fokus

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften dieser Spezies ist die Viviparie. Die Weibchen gebären lebende Jungtiere. Im Falle der hier beschriebenen Parasiten handelt es sich um verpuppungsreife Larven.

 

In der Vergangenheit wurde diese Insektengruppe häufig Pupipara genannt. Da die Weibchen jeweils eine Larve im späten Entwicklungsstadium, sogenannte Prepuparien, zur Welt bringen.

 

Die Fortpflanzung der kleinen Fliegen gleicht einem Kraftakt. Die Larven ernähren sich von den Milchdrüsen der weiblichen Tiere. Nach der Geburt können die gut genährten Puppen mehr auf die Waage bringen als eine erwachsene Fliege.

 

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Lausfliegen erkennen – darauf müssen Sie achten

Die Lausfliege ist ein spezifisches Insekt, welches sich deutlich von den herkömmlichen Fliegen unterscheidet. Den widerstandsfähigen Parasiten werden Sie vorwiegend in der näheren Umgebung von Pferden, Kühen oder Schafen begegnen. Auch Vögel können befallen werden. Nur selten hat es die Fliege gezielt auf den Menschen abgesehen. Folgende Merkmale sind charakteristisch:

 

  • fünf bis acht Millimeter groß
  • flacher Körperbau
  • Kopf ist im Brustkorb versenkt
  • bräunliche Farbe
  • gedrungen wirkende Gestalt
  • lange Beine, die an Spinnen denken lassen
  • Flügel gut ausgebildet oder eher reduziert (abhängig von der Art)
  • Beine mit Krallen und Klauen versehen
  • bewegt sich durch kurze Flüge oder einen seitlichen, krabbenartigen Gang fort

Verschiedene Arten kurz vorgestellt

Es handelt sich um eine vielschichtige Fliegen-Familie. Einige, in unseren Breiten häufiger vorkommende Insekten, möchten wir Ihnen nun näher vorstellen.

 

Schwalbenlausfliege (Stenepteryx hirundinis)

Die Parasiten kommen meist im Gefieder von Mehlschwalben vor, können aber auch Rauch- oder Uferschwalben befallen. Die Schädlinge werden vier bis fünf Millimeter groß und besitzen eine gelbliche Färbung an Beinen, Kopf und Brust. Der Hinterleib ist dunkel gefärbt. Ein charakteristisches Merkmal stellen die sichelförmigen Flügel dar, welche über das Körperende der Tiere hinausragen. Die deutlich reduzierten Flügel erlauben der Schwalbenlausfliege nicht zu fliegen.

 

Mauerseglerfliegen (Crataerina pallida)

Dieser Parasit ernährt sich vorwiegend vom Blut der Mauersegler, kann aber auch bei Schwalben vorkommen. Die Fliegen können bis einen Zentimeter an Größe erreichen. Die reduzierten Flügel erlauben das gesteuerte Segeln, aber keinen aktiven Flug.

 

Pferdelausfliege (Hippobosca equina L.)

Diese Art besitzt eine glänzende rostgelbe Färbung. Der Thorax erscheint braun, am Schildchen überwiegt ein blasses Gelb. Die Fußklauen sind schwarz gefärbt. Die bevorzugten Wirte dieser Art sind Pferde, Rinder und Esel. Auch bei Hunden werden die Parasiten häufig angetroffen. Bauch, Flanken oder After sind am häufigsten befallen. Die schnelle Fortbewegung der Fliegen verursacht heftigen Juckreiz. Die Pferdelausfliege ist flugfähig und kann auch hin und wieder Reiter angreifen.

 

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Lausfliegen an verschiedenen Orten bekämpfen

Der Lebensraum der Lausfliege beschränkt sich beinahe ausschließlich auf ihren spezifischen Wirt. Dort werden bevorzugt dünnhäutige und geschützte Hautstellen aufgesucht. Vermehrt sind die Analregion, die Scheide, das Euter oder die Innenschenkel betroffen.

 

Da die Flugfähigkeit der meisten Arten begrenzt erscheint, bewegen sich die Fliegen in einem eher kleinen Radius hüpfend und krabbelnd um ihren Wirt herum.

 

Pferde, Rehe, Rinder

Haben die Weibchen den Wirt erreicht, stoßen sie die Flügel ab und bewegen sich flink durch Haare und Fell. An geeigneten Stellen haken sie sich mit ihren Krallen fest und beginnen zu stechen. Die Parasiten sind nun flugunfähig und nicht mehr gewillt, ihren Wirt zu verlassen. Die Ernährung erfolgt durch wiederholte Blutmahlzeiten.

 

Bei jeder Blutmahlzeit nimmt eine Lausfliege zirka 20 Milligramm Blut auf. Der Hinterleib schwillt daraufhin erheblich an. Daher werden die Fliegen häufig mit Zecken verwechselt.

 

Gehen Sie gegen die Parasiten mit für Zecken gebräuchlichen Mitteln vor, werden Sie nur bedingt Erfolg haben. Da Pferde viel Schweiß absondern, verfliegt die Wirkung der Mittel sehr schnell.

 

Die gezielte Bekämpfung beim Pferd

Bewährt hat sich, die Kruppe der Pferde mit Melkfett zu behandeln. Dies bewirkt das “Abrutschen” der Schädlinge. Melkfett muss jedoch möglichst zeitnah wieder entfernt werden. Die Haut kann an der behandelten Stelle nicht atmen und ein längerer Verbleib des Präparates kann Hautveränderungen zur Folge haben.

 

Bei einem Fliegenbefall werden die Pferde meist unruhig. Durch gründliches Abspritzen mit dem Wasserschlauch lassen sich die Parasiten zum Großteil abschwemmen.

 

Vögel

Die Parasiten nisten sich im Gefieder der Vögel ein. Dort sitzen sie unmittelbar an den Federkielen. Vögel, die unter einem Befall leiden, sind unruhig und können in Panik geraten, aus dem Nest fallen.

 

Lausfliegen können mit einer Pinzette aus dem Fell gesammelt werden. Dabei müssen Sie sehr sorgfältig vorgehen und dürfen keinesfalls Federn beschädigen. Für Zugvögel wie Schwalben oder Mauersegler kann ein Gefiederschaden den Tod bedeuten.

 

Hund

Nach einem Waldsparziergang ist es nicht ausgeschlossen, dass sich Ihr Hund eine Hirschlausfliege eingefangen hat. Diese vergleichsweise wenig bekannten Parasiten gelten als Überträger des Bakteriums Bartonella schoenbuchensis. Schwere und von Fieber begleitete Entzündungen können die Folge sein.

 

Die gezielte Bekämpfung beim Hund

Untersuchen Sie das Fell des Tieres möglichst nach jedem Spaziergang. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sich das Tier panisch in Richtung Rute wendet und permanent kratzt. Eine Dusche kann die Entfernung der Schädlinge fördern.

 

Für den Hund wird auch Kieselgur empfohlen. Das Fell kann mit diesem aus den Schalen fossiler Kieselalgen stammenden Pulver behandelt werden. Sind durch die Stiche bereits Hautreizungen entstanden, können Auflagen mit Heilerde helfen. Salben und Cremes sind keine Option, da sie abgeleckt werden. Suchen Sie bei Hauterkrankungen unbedingt einen Tierarzt auf.

 

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Warum muss man die Lausfliegen bekämpfen?

Die Parasiten leben ausschließlich vom Blut ihrer Wirte. Im Gegensatz zur Stechmücke und anderer Insekten, wo nur das Weibchen sticht, sind bei den Lausfliegen weibliche wie männliche Tiere in der Lage, Stiche zu verursachen.

 

Die Bisse sind schmerzhaft und verursachen allen befallenen Tieren Unbehagen. Bei Pferden können Scharren, Treten und Aufbäumen als Abwehrreaktionen beobachtet werden. Ein aggressives Verhalten der Tiere kann auch für den Reiter gefährlich werden.

 

Da die Fliegen ihren Wirt nicht mehr freiwillig verlassen, müssen die Parasiten in jedem Fall bekämpft werden. 

 

Die Gefahr für den Menschen

Welche Auswirkungen Stiche der Lausfliege für den Menschen haben können, ist bislang nicht hinreichend dokumentiert. Das im Jahre 2001 unweit von Stuttgart erstmals nachgewiesene Bakterium Bartonella schoenbuchensis wird als Auslöser einer Hirschlaus-Dermatitis angenommen.

 

Die Stiche sind für den Menschen weitgehend schmerzfrei und erfolgen meist in Kopf oder Nacken. Innerhalb weniger Tage können sich an der Einstichstelle Hautrötungen und Papeln entwickeln. Bei allergischen Reaktionen können dermatologische Probleme auftreten. Generell besteht jedoch eine geringer pathogene Neigung.

Lausfliegen bekämpfen – chemisch oder biologisch?

Im Handel werden zahllose Präparate gegen Parasiten aller Art vertrieben. Von chemischen Präparaten ist dringend abzuraten. Dabei handelt es sich um Gifte, die auch den Organismus der damit behandelten Tiere schädigen. Besonders Wildvögel reagieren sensibel auf diese Präparate und nicht wenige sterben daran.

 

Bislang ist kein wirkungsvolles Mittel gegen Lausfliegen im Handel. Die sicherste Methode der Bekämpfung mag Sie etwas abschrecken: Fangen Sie die Fliegen und köpfen jede einzelne davon.

 

Creme als Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu Stichen kommt, können atmungsaktive Salben aufgetragen werden. Fettcremes bilden einen schützenden Mikrofilm und die Fliegen können sich nicht in der Haut festkrallen. Die Zahl der Angriffe wird aufgrund eines positiven Nebeneffektes deutlich reduziert. Sind die Insekten in Gefahr, senden Sie Pheromone aus. Diese Botenstoffe warnen weitere Individuen.

 

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Mittel gegen Lausfliegen

Während Flöhe oder Zecken mit verschiedenen Präparaten nachweislich bekämpft werden können, konnte noch keine wirkungsvolle Waffe gegen die Lausfliege gefunden werden. Von Hausmitteln wie Mehl oder Babypuder ist abzuraten. Kieselgut kann wie bereits beschrieben angewendet werden. Sie können auch mit ätherischen Ölen arbeiten. Folgende Öle können Parasiten abschrecken:

 

  • Lavendel
  • Rosmarin
  • Zitrone
  • Teebaum
  • Geraniol

Einen natürlichen Schutz gegen Insekten aller Art stellt das Einreiben mit Kokosöl dar. Auch die Verfütterung von Knoblauchgranulat an Hunde oder Katzen soll zumindest Zecken abhalten. Ob dies auch bei den hier beschriebenen Fliegen wirkt, ist nicht belegt.

Fazit

Lausfliegen geben viele Rätsel auf. Die kleinen Fliegen ähneln eher den Zecken. Mit den ersten sonnigen Tagen begeben sich die etwa fünf Millimeter großen Parasiten auf die Suche nach ihrem Wirt. Die verschiedenen Arten sind dabei auf Pferde, Vögel oder Hunde spezialisiert. Der Mensch wird eher selten angegriffen. Die Stiche werden meist nicht wahrgenommen.

 

Es kann zu entzündlichen Hautreaktionen kommen. Potenzial für ernsthafte Erkrankungen besteht dagegen kaum. Für Tiere ist ein Befall äußerst unangenehm. Wirksame Mittel sind bislang nicht gefunden. Beim Pferd kann eine kalte Dusche helfen. Das Fell von Hunden können Sie mit Kieselgur behandeln. Da die Parasiten ihren Wirt nicht freiwillig verlassen, ist eine Bekämpfung in jedem Fall angezeigt.

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